O sensei Morihei Ueshiba

Das Aikido wurde von Morihei Ueshiba Anfang des 20. Jahrhunderts aus anderen Kampfkunstformen entwickelt. Morihei Ueshiba wird noch heute als "O Sensei" bezeichnet. Übersetzt bedeutet das so viel wie "alter Meister".

Morihei Ueshiba wurde am 14. Dezember 1883 in Tanabe in der japanischen Präfektur Wakayama südlich von Kyoto geboren. Ueshibas Vater, Yoroku, stammte von einer alten Samurai-Familie ab, war vergleichsweise wohlhabend und lebte unter anderem von Fischerei und Forstwirtschaft.

Nach seiner Schulzeit geht Morihei zum Studium nach Tokio und lernt dort ab 1902 Jujutsu und Kenjutsu. Im gleichen Jahr heiratet er seine Frau Hatsu Itokawa, tritt kurz darauf in die japanische Armee ein und zieht in den russisch-japanischen Krieg.

Er studiert verschiedene Jujutsu-Stile, bis er nach der Entlassung aus der Armee 1907 nach Tanabe zurück geht. Dort hat sein Vater eine Scheune zum Dojo umbauen lassen, wie Morihei von Kiyo'ichi Takagi im Judo unterrichtet wird.

1912 zieht Morihei Ueshiba mit anderen auf die Insel Hokkaido, wo sie gemeinsam neue Siedlungen gründen wollen. Dort wird er unter anderem wegen seines rats und seiner Führung geschätzt. Er bekommt während der Zeit sein Diplom beim Jujutsu-Meister des Daito-ryu Sokaku Takeda.

Morihei Ueshiba lernt Onisaburo Deguchi kennen, einen der Führer der Omoto-Bewegung, einer der vielen neuen religiösen Bewegungen, die im 19. Jahrhundert in Japan entstanden. Von Deguchi ist Ueshiba so beeindruckt, dass er 1920 mit Deguchi ins Zentrum der Bewegung nach Ayabe zieht und dort beginnt, Omoto-Mitglieder in Jujutsu zu unterrichtet.

Der Ruf des Meisters verbreitet sich schnell, neben Mitgliedern der Omoto-Bewegung kommen bald Marinesoldaten aus dem benachbarten Stützpunkt zum Unterricht. Ueshiba nennt seine veränderte Kampfkunst inzwischen selbst Aiki-Bujutsu.

Mit Deguchi bricht er 1924 in die Mongolei auf, um dort eine religiös bestimmte Weltregierung zu gründen. Die Teilnehmer der Expedition werden in China verhaftet, Ueshiba und andere werden zum Tode verurteilt, das Urteil wird auf Intervention des japanischen Konsulates aber nicht vollstreckt. Morihei Ueshiba kehrt nach Ayabe zurück.

Sein Mäzen Admiral Isamu Takeshita bringt ihn 1925 nach Tokio, wo er sein Aiki-Bujutsu auch am kaiserlichen Hof vorstellt. Zwei Jahre später zieht er ganz von Ayabe nach Tokio.

Die Zahl seiner Schüler wächst dort so schnell, dass er 1930 einen größeren Trainingsraum braucht und das Kobiukan-Dojo gründet. Auf demselben Grundstück steht heute das Honbu-Dojo in Tokio.

Der Begriff AIKIDO für die neue Kampfkunst von Morihei Ueshiba taucht erst 1942 auf. In dieser Zeit beschließt Ueshiba, sich aufs Land nach Iwama zurück zu ziehen. Er setzt seinen Sohn Kisshomaru als Leiter des Honbu-Dojos in Tokio ein. In Iwama hat O Sensei seit 1935 Acker und Wald gekauft, die er jetzt bewirtschaftet. Für ihn sind Ackerbau und Budo eine Einheit. Er errichtet in Iwama einen Schrein und ein Dojo. Im Aiki-Schrein soll zum einen den 43 Gottheiten gehuldigt werden, die das Aikido schützen, zum andern soll er Schutz und Zentrum für alle Aikidoka sein.

Von den Alliierten wurde Aikido wie alle anderen Kampfkünste in Japan nach dem Krieg verboten. Erst 1948 wurde es als erste Kampfkunst wieder zugelassen. Im selben Jahr wird das Aikikai als Aikido-Organisation offiziell anerkannt.

Schon in den 50er Jahren verbreitet sich Aikido in Frankreich und in Teilen der Vereinigten Staaten.

Am 26. April 1969 stirbt O Sensei in Tokio und wird in Tanabe beigesetzt.